• bjoernfreiberg

Freundlichkeit zahlt sich aus!

Ich war im Tegut einkaufen. Wollte mir nur schnell eine dieser neuen veganen Pizzen kaufen, die ich noch nicht kannte. Ich habe mir kurz zeigen lassen, wo ich die Pizza finden kann und mir dann die Varianten mitgenommen, die ich noch nicht kannte. Noch zwei Liter Getränke und ein Eis dazu und ab zur Kasse. Leider war mein Rucksack schon voll und der Einkauf eine Spontanentscheidung gewesen, sodass ich auf eine Papiertüte zurückgreifen musste. Ich war keine 5 Meter aus dem Geschäft raus schon riss die Tüte. Ich also kurz die Sachen aufgesammelt, irgendwie unter den Arm geklemmt und zurück in den Laden. Die Kassiererin auf die Situation aufmerksam gemacht und nach einer neuen Tüte gefragt. Pflichtbewusst bat sie mich um 20ct und in dem Moment rief ein anderer Mitarbeiter – der, der mir gezeigt hatte, wo die Pizza zu finden war „Nein!“ Die Kassiererin schien kurz etwas verwirrt zu sein, offensichtlich war sie es nicht gewohnt, dass ihr Kollege durch den halben Laden ruft. Der Mitarbeiter aber kam an die Kasse und sagte, dass es schon in Ordnung sei und das so geht. Was war passiert?



Warum hält der Kollege die Kassiererin davon ab, 20 Cent für eine neue Papiertüte (übrigens eine vollkommen richtige Idee, für Tüten Geld zu verlangen!) von mir zu verlangen? Nicht nur, dass in dem Geschäft auch andere Kund*innen sind, er gar nicht an der Kasse sitzt, es sich nur um 20 Cent handelt und viele Leute sich gar nicht erst trauen würden durch den halben Laden der Kollegin ein „Nein“ zuzurufen, sondern, dass er dann auch noch das Einräumen des Regals unterbricht, zur Kasse kommt und die gerissene Tüte entsorgt, dabei bemerkt, dass der Kassenzettel noch drin war, mir diesen gibt und mir kostenlos eine neue Tüte mitgeben lässt. Klar könnte man sagen, dass das einfach Kulanz ist und auch die Verkäuferin so kulant hätte sein können, aber wenn wir der Kassiererin unterstellen, dass sie wie immer um 20 Cent bittet, weil die Tüten eben 20 Cent kosten und dass unserer Umwelt helfen soll, dann hat sie vollkommen richtig gehandelt. Was war also passiert, dass der Mitarbeiter quer durch den Laden gelaufen kommt, um mir persönlich – fast schon wie bei einem VIP Service - eine kostenlose Tasche zu geben?


Offensichtlich geht es hier ja nicht um das Geld und wahrscheinlich wäre der Mitarbeiter auch nicht bei jedem Kunden oder jeder Kundin angelaufen gekommen, warum also in meinem Fall?


In der einen Minute, in der ich mit ihm Kontakt hatte, ihn darum gebeten habe mir zu zeigen, ob und wenn ja wo sie vegane Pizzen hätten, habe ich offenbar so einen guten Rapport aufgebaut, dass er mir mit meiner „Tütensituation“ helfen wollte und dabei völlig vergisst, dass es seltsam oder unangemessen erscheinen könnte, wenn er dabei quer durch den halben Laden gelaufen kommt. Vielleicht noch als kurze Information: Ich kenne den jungen Mann nicht und kaufe auch nur äußerst selten in dem Geschäft ein (was sich jetzt vielleicht ändern wird), weil andere Discounter einfach viel näher sind.



Das Gespräch mit dem Verkäufer begann ganz locker – ich sah ihn vom Eingang aus und da die Kollegin mit kassieren beschäftigt war ging ich direkt auf ihn zu, fragte ihn, ob ich ihn kurz von der Arbeit abhalten dürfe und als er dies bejahte sagte ich, dass ich „gehört habe, dass es im Tegut so geile vegane Pizzen geben soll“ und ob es die hier gäbe. Er sagte „Ich weiß nicht ob sie geil sind, aber ich zeige sie Ihnen trotzdem mal.“ Wir fanden genau die, die ich gesucht hatte, also sagte ich in freundlichem Ton „Super, vielen lieben Dank“ und er ging zurück an die Arbeit. Als ich bezahlt hatte und er zufällig in der Nähe vom Eingang war, ging ich nochmal einen Schritt in seine Richtung sagte „Nochmal vielen Dank und einen schönen Tag noch“ und verließ das Geschäft. Und das war schon die ganze Vorgeschichte – ein bisschen Freude in der Stimme, eine nette Geste und ein Lächeln im Gesicht (das kann man übrigens trotz des Mund-Nasenschutzes erkennen) und so einfach lässt sich innerhalb von nicht einmal 2 Minuten toller Rapport aufbauen, der soweit führt, dass der Mitarbeiter es für nötig hält, quer durch den Laden zu kommen, um mir eine neue Papiertüte „auf’s Haus“ aushändigen zu lassen.


So, aber warum erzähle ich diese Geschichte? Doch wohl nicht, weil ich damit angeben will, wie ein VIP behandelt worden zu sein? Korrekt, stattdessen möchte ich zeigen, zu welchen Verhaltensweisen – die uns selbst in dem Moment als völlig selbstverständlich erscheinen – ein guter Rapport und eine gute Beziehung zu unseren Mitmenschen führen können. In meinen Workshops versuche ich das kurz und prägnant zu vermitteln: Mit einem Lächeln auf den Lippen, läuft jedes Gespräch gleich doppelt so gut. Und seien wir mal ehrlich – wenn wir unseren Mitmenschen zulächeln, lächeln diese in aller Regel zurück. So machen wir die Welt, ohne Zeit oder Kostenaufwand ganz schnell zu einem besseren Ort. Wenn du also das nächste Mal einkaufen gehst – lächel den Menschen zu, nimm sie als diejenigen wahr die sie sind, nämlich Mitmenschen, die den gleichen Respekt verdienen wie jede andere Person auf dieser Welt und die ganz häufig nicht so wertgeschätzt werden, wie sie das sollten. Wer in einem Supermarkt arbeitet ist ganz häufig ein Alltagshelfer – wie oft werden die Angestellten dort gebeten jemandem zu zeigen, wo dieses oder jenes Produkt steht? Und wie oft bekommen sie dafür mit viel Glück gerade einmal ein Dankeschön? Wenn du zufällig in einem der – häufig unfairerweiser unterbezahlten – Berufe arbeitest, in denen du auch zu wenig Wertschätzung erfährst, dann kannst du dich sogar in die Personen hineinversetzen und wenn du das nächste mal beim Einkaufen bist – sag einfach nochmal DANKE.


In diesem Sinne – ein riesiges DANKESCHÖN an alle Mitarbeiter*Innen von Supermärkten, aus dem Einzelhandel, der Gastronomie, der Pflege, medizinisches Personal und und und. DANKESCHÖN



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